Ivana Korać hat viele künstlerische Bereiche, die sie reizen: Architektur, Design, Möbel, Fashion- und Landschaftsfotografie. Als studierte Architektin hat sie früher alte Gebäude und urbane Räume rekonstruiert und neu belebt. Jetzt liebt sie es alte Gegenstände und Möbel, die bereits gelebt haben zu recyclen und damit aufzuwerten (Upcycling). Unser Interesse erweckte Ivana Korać aus dem serbischen Novi Sad durch ihre Einreichung beim Creative Invite: Fotografiere "Nur die Liebe zählt" für SAT.1 und Wayne Carpendale. Ivana Korać im Interview

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TH: Wann hast du angefangen kreativ zu arbeiten? Und wo hast du das gelernt?
Ivana: Seitdem ich ein Kind bin, liebe ich es zu malen. Aber für mich war es immer spannender nicht auf einem Blatt Papier, sondern auf anderen Gegenständen zu zeichnen: Türe, Tische oder sogar Regenrinnen fand ich interessanter als weißes Papier. Ich kann mich an eine Situation erinnern; ich war in der ersten Klasse als ich den Nagellack meiner Mutter benutzte, um unser altes, graues Schnurtelefon mit geraden roten Linien etwas aufzupimpen. Es war so, als hätte ich dem alten Telefon ein neues Leben verschafft. Genauso fühle ich mich auch heute, wenn ich alte Möbel upcycle.

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Ich habe Architektur an der Universität von Novi Sad in Serbien studiert und mich später an der Universität im portugiesischen Porto auf Denkmalpflege spezialisiert. Ich wollte alte Gebäude rekonstruieren und somit wiederbeleben, endete aber bei Möbelstücken - aus mehr oder weniger praktischen Gründen. Ich dachte mir, ich kann mein Wissen aus der Architektur auch auf kleinere Gegenstände und Möbel übertragen. Da Möbelstücke billiger sind und ich diese auch selbst erwerben kann. Aber auch weil ich somit mehr kreativen Frieden habe, da ich jeden Schritt des Prozesses selbst bestimmen kann. Das ist nachhaltiger und bedeutet für mich arbeiten ohne rechtliche Probleme die man oft im Zusammenhang mit alten Gebäuden überwinden muss. Meine Leidenschaft für Grafik-Design und Fotografie folgten meiner kreativen Arbeit ganz selbstverständlich - erst wars ein Hobby, das ich mir selbst beigebracht habe und jetzt verdiene ich damit sogar Geld.

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TH: Du arbeitest in unterschiedlichen Kreativ-Bereichen. Was machst du am liebsten? Oder gibt es in deiner Arbeit keine hierarchische Abfolge? Beeinflussen sich diese Bereiche untereinander?
Ivana: Unterschiedliche Bereiche geben mir die Möglichkeit meine Kreativität weiter auszuprobieren. Ich liebe es Möbel zu restaurieren, das mache ich definitiv am liebsten. Man startet mit einem Gegenstand, der schon ein Leben hat oder hatte. Man baut auf etwas bereits Existentem auf. Und diesen Wert, diese Bedeutung will ich durch mein Rekonstruktion erhalten. Die Fotografie half mir, Abstand zu gewinnen - einmal herauszuzoomen. Aber auch zu fokussieren, die richtigen Details aufzuzeigen. Grafik Design lehrte mich, es einfach zu halten: keep it simple. Architektur ist natürlich die Basis für alles - es ist eine künstlerisch, technisch und philosophisch anspruchsvolle Disziplin. Auf der anderen Seite aber hilft mein ästhetischer Blick, den ich während meines Architektur Studiums geschult habe, die richtige Komposition und die richtigen Farben auszuwählen, um ein gutes Bild zu schießen. Also, alle Disziplinen beeinflussen sich irgendwie. Jeden einzelnen Bereich auszuloten, gibt mir die Chance wegzudriften und Grenzen zwischen den Disziplinen zu überschreiten. Dadurch sehe ich Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven und finde letztlich die Spiegelung aller Disziplinen meiner eigenen Sicht.

TH: Wo suchst du Inspiration?
Ivana: Inspiration findet jeder Künstler in sich selbst. Ich denke, es ist dieser bestimmte Gedanke, wenn man etwas sieht, hört oder irgendwie sinnlich begreift. Ich glaube auch, dass viele verschiedene Lebenserfahrungen, Orte, wo man gelebt hat, Menschen, die man getroffen hat, dazu beitragen eine Fülle an Ideen zu haben. All diese Gedanken und Gefühle inspirieren dazu ein Kunstwerk zu schaffen, in der Hoffnung, dass der Betrachter das erkennt und er deshalb wertvoll für ihn wird. Ein Beispiel: als ich vor einem Umzug Kartons gepackt habe, habe ich so viele wunderbare Erinnerungen gefunden: alte Ideen, Schlüssel zu wichtigen Orten, ganz tief in Schubladen versteckt, die ich lange Zeit nicht geöffnet hatte. Dann kam mir die Idee, eine offene, transparente Schublade zu kreieren, um all diese wertvollen Dinge nicht mehr zu vergessen. Und so entstand das Edward Schubfach. Mit meiner Fotografie geht es mir genauso: Ich versuche einen bestimmten Moment, ein bestimmtes Gefühl einzufangen, das ich immer wieder kriege wenn ich das Foto betrachte.

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TH: Wo findest du diese alten Möbel? Was fasziniert dich an Upcycling Art? ?
Ivana: Ich finde meine Möbel an unterschiedlichen Orten. Manchmal auf Flohmärkten, manchmal im Netz oder neben dem Müllcontainer. Manchmal geben mir Freunde Sachen, die sie nicht mehr brauchen. Ich nehme nicht einfach alle alten Gegenstände dich ich finden kann. Sie müssen etwas wertvolles an sich haben. Dinge die mich am meisten faszinieren kann ich mir meistens sofort mit anderen Funktionen vorstellen, nachdem ich sie bearbeitet habe. Das finde ich toll an Upcycle Art - die Tatsache, dass man etwas wieder benutzen kann, das eigentlich funktionslos, ruiniert und tot wirkte und ihm dadurch einen neuen Sinn geben kann. Und dann schwingt natürlich eine ökologische Komponente mit: Ressourcen sparen.

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TH: Du arbeitest auch als Mode-Fotografin. Gefällt dir der Kontrast zwischen alt und neu? Neue Klamotten vs. alte Möbel?
Ivana: Die Fashion-Fotografie startete durch ein Projekt mit Freunde von mir. Diese suchten jemanden, der ihre neue Kollektion für ihren Blog fotografierte und ich suchte einen Weg in die Welt der Fotografie. Wir hatten sehr viel Spaß. Und ohne es zu wollen, haben wir uns gegenseitig stark beeinflusst. Ihre Kleidungsstücke wird hauptsächlich aus Second Hand Ware hergestellt und kreativ zusammengestellt. Im Einklang mit ihren Outfits musste ich die passenden Settings dazu finden. Wir fanden uns ganz oft in alten, verlassenen und heruntergekommenen Gebäuden wieder, entweder um den Kontrast zu ihren neuen Klamotten zu unterstreichen oder diese als aufwertendes Detail in die Szenerie zu setzen. Diese Bilder waren also auch ein Spiel mit alt und neu. Und das ist der Grundgedanke meiner künstlerischen Tätigkeit.

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TH: Du hast viele verschiedene Themen in deinen Arbeiten: leere Landschaften, Sport, Mode ...wie findest du deine Motive?
Ivana: Die unterschiedlichen Motive in meinen Fotos haben mehrere Gründe. Erstmal wollte ich alle oder viele Bereiche testen, um meinen Weg zu finden. Also fotografierte ich alles was ich amüsant fand, Architektur, Natur, Menschen, Hunde ...Was diese Motive alle verbindet, ist ihr Charakter. Ich glaube, dass alles um uns herum Charakter hat - nur manchmal ist er schwer zu finden. Ich versuche den Charakter von Menschen im Bild einzurahmen oder den Charakter von einem bestimmten Ort der nur durch bestimmtes Licht gesehen werden kann oder selbst der Charakter einer Sportaktivität. Wenn man sich die Fotos dieser Athleten ansieht, erkennt man wie stark, aber doch elegant dieser Sport ist. Natürlich kann man das auch im TV oder Live in der Arena sehen, aber es ist doch etwas anderes diesen ehrlichen Moment in einigen Bilden zu fangen. Ich denke es ist der bestimmte Moment wenn man auf den Auslöser drückt, der das ganze Lob für das Bild kassiert.

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TH: Was gefällt dir am meisten an deiner Arbeit?
Ivana: Mir gefällt beides: Möbel upcyclen und Fotografieren. Es sind zwei unterschiedliche Arten zu arbeiten, aber es gibt eine Sache die ich an beiden Bereichen liebe. Der Entstehungsprozess und die Freude in dem Moment, wenn ich das Ergebnis kriege das ich wollte. Anders als Architektur, wo das Bauresultat erst nach Monaten oder Jahren zu sehen ist, komme ich in meiner Arbeit viel schneller zu einem Ergebnis. Das Best daran ist, dass ich jeden einzelnen Schritt begleite - und das macht mir unglaublich viel Spaß.

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TH: Was sind deine Pläne für die Zukunft?
Ivana: Ich würde gerne in einem anderen Land leben, um mehr Erfahrung zu sammeln, um mein Leben zu bereichern und um einen Weg zu finden, die Methoden der Fotografie auf Möbel Design zu übertragen und beide Disziplinen miteinander zu vereinen.

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